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Informationen zur Psychotherapie, Psychoanalyse und analytischen Psychotherapie

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Copyright Dr. med. Robert Röhrig, FA für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Psychoanalyse


Inhalt

Einleitung


Psychotherapie ist ohne Zweifel ein schwieriges Gebiet mit vielen Unklarheiten, Widersprüchlichkeiten und Fallstricken. Dies soll ein Versuch sein, trotzdem die wichtigsten Gesichtspunkte so prägnant wie möglich darzustellen. Ich möchte mich dabei bewusst nicht an ein Fachpublikum wenden, sondern an all diejenigen Menschen, die Durchblick im Dschungel der Psychoszene suchen.


Einfach ist die Materie nicht. Manchmal erscheint das ganze vielleicht sogar abgehoben. Etwas Zeit und Aufmerksamkeit sind notwendig. Für jeden Vorschlag, es noch mehr zu vereinfachen bin ich dankbar. Obwohl etwa doppelt so viele Frauen wie Männer psychotherapeutisch tätig sind, habe ich im Text darauf verzichtet, jedesmal das übliche ....../in z.B. an den Begriff "Therapeut" anzufügen. Die Frauen mögen es mir verzeihen.


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Kleiner Ausflug in die Geschichte


Psychotherapie ist wohl so alt wie die Menschheit. Die ersten Therapeuten waren Schamanen und Priester bzw. Priesterinnen früher Kulturen und Religionen. Erste schriftliche Zeugnisse kommen von den alten Griechen. Das Orakel von Delphi (des Gottes Apollo) hat eine besondere Berühmtheit: Die Weissagung als therapeutisches Mittel. Die Trance war der hauptsächliche Zugang zu seelischen Prozessen. Magische Handlungen dienten der Heilung. Die Trance im Rahmen der seriösen Hypnose kommt aber auch heute wieder zu ihrer Geltung.


Der keltische Druide war noch ein Zwitter aus Priester und Heiler. Aus dieser Zeit, verwässert mit Elementen der "Geheimwissenschaften" des Mittelalters und der Alchemie stammt das, was heute noch als Esoterik unterwegs ist, und so mancher Geschäftemacherei dient.


Der Begriff "Psyche" (= Hauch, Atem, Schmetterling) entstammt der griechischen Mythologie, es ist der Name einer Königstochter, die so schön war, dass selbst Aphrodite sie aus Neid ins Verderben schicken wollte. Das schöne Mädchen als Personifikation der Seele hat sich bis heute, auch in Unkenntnis dieses Mythos, als archaisches Bild gehalten. Die meisten bebilderten Berichte über Psychotherapie zeigen eine schöne Frau auf der Couch. Selbst Plakate von Ärzteorganisationen verwenden, wenn es um Psychotherapie geht, das Gesicht einer schönen Frau als "Aufmacher".


Bis in unsere Neuzeit war die Psychotherapie Sache von Religion und Philosopie und "ganzheitlicher" magischer Medizin. Die Medizin und Philosophie der Aufklärung hat die Seele vom Körper abgespalten, der "Geist" (wohl etwas anderes als die Seele) wurde als Instanz betrachtet, die den Menschen zum absoluten, vernünftigen Herrscher über seine Natur machen sollte. Damit konnte der Körper zum reinen Objekt der Forschung und Reparaturmedizin werden.


In der Psychotherapie war es vor über 100 Jahren Freud, welcher den Menschen diesen Grössengedanken wieder nahm, indem er nachwies, dass der Mensch eben nicht "Herr im eigenen Hause" ist. Er stellte seine Theorie von "Heilung" auf die Grundlage der Vorstellung, dass die Bewusstwerdung von bisher unbewussten, den Menschen "beherrschenden" destruktiven Kräften eine Heilung einleiten kann. Der damals geprägte Begriff "Psychoanalyse" ist insofern historisch zu betrachten. Freud war eben auch Forscher.


Erst mit Freud (natürlich auch Jung und Adler, alles Ärzte) beginnt auf Grund der neuen Ideen und seines Talents für Organisationen die eigentliche Geschichte der heutigen Psychotherapie, die zunächst ganz auf die Tradition der "Heiler" aufbaut. Man suchte als Arzt den Weg über die Seele zur Heilung eben auch körperlicher Erkrankungen (die Lehre von der Psychosomatik), den Berufsstand des "Psychologen" gab es noch nicht. Die Geschichte der Psychoanalyse wurde zu einer Art "Familiengeschichte": Es gab Streit und Untergruppierungen, unzufriedene Verwandte und "Kinder". Eine Reihe heute bekannter Therapierichtungen sind direkte Abkömmlinge dieser Familie (z.B. die Gestalttherapie, Transaktionsanalyse, Gesprächspsychotherapie). Dabei ist die Identität der "Kernfamilie" auch über die wissenschaftliche Weiterentwicklung der Grundlagen erhalten geblieben. Moderne Untersuchungsmethoden zeigen Veränderungen der Gehirnfunktionen parallel zu seelischen Entwicklungen.


Die "Psychologie" hatte von Anfang an paradoxerweise mit "heilen" gar nichts am Hut. Es war eine reine Forschungsrichtung, die sich erst Mitte des 20. Jahrhunderts durchsetzte, auch wenn ihre Anfänge bis Mitte des 19. Jahrhunderts zurückreichen, aus den damaligen philosophischen Lehren entwickelt. Die erste Hauptströmung war der Behaviorismus. Aufbauend auf den Versuchen von Pawlow versuchte man die "Psyche" als eine Art Reflexapparat zu verstehen, der nach einem bestimmten "Input" mit einem bestimmten "Output" (logisch) reagiert. Nicht mehr Denken und Fühlen wurden Mittelpunkt der Betrachtung, sondern das "Lernen" und beobachtbares Verhalten. Die Vorstellung, über die Auslöschung oder "Gegenkonditionierung" eines Verhaltens ein Umlernen zu erreichen, und damit Veränderung von psychischen Prozessen zu bewirken, führte letztlich zur Entwicklung der Verhaltenstherapie, die sich zur sog. kognitiven Verhaltenstherapie weiterentwickelt hat. Insofern ist nur ein Teil der Psychologen auch zu Psychotherapeuten geworden (durch eine notwendige therapeutische Zusatzausbildung), und damit zu einer "heilenden" Grundhaltung gekommen. Obwohl Verhaltenstherapie und psychoanalytisch/psychodynamische Ansätze recht unterschiedlich sind, entsteht heutzutage eine zunehmende gegenseitige Akzeptanz und Ergänzung.

 


Einleitung