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Copyright Dr. med. Robert Röhrig, FA für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Psychoanalyse


Inhalt


Psychosomatik


Dies soll keine Einführung in psychosomatische Erkrankungen sein, das wäre zu aufwendig, es soll einfach das Problem Psychosomatik als solches erläutern.

Die frühen, in der Antike lebenden "Heiler" brauchten sich deswegen keine Gedanken zu machen. Sie wären nie auf die Idee gekommen, einen seelischen (psycho) und körperlichen (somatischen) Teil des Menschen zu unterscheiden.

Aber im Interesse von Forschung und Fortschritt der Medizin war dies in der Neuzeit doch ein wichtiger Entwicklungsschritt. Diese "Spaltung" war Voraussetzung dafür, viel differenzierter und in vieler Hinsicht auch effektiver mit Erkrankung und Heilungsversuchen umzugehen. Allerdings mit dem Nachteil jeder Spezialisierung: Wer sich mit dem Körper als reine Materie beschäftigte, konnte sich dem Mythos hingeben, alles Leben sei von dieser Seite her erklärbar und damit auch beherrschbar. Wer sich mit den seelischen Prozessen beschäftigte, konnte wenigstens theoretisch so tun, als ob die seelischen Prozesse von organischen Voraussetzungen unabhängig wären. Jeder musste also im Interesse des Fortschritts auf seinem Gebiet auf die ganze "Wahrheit" verzichten.

Parallel zu dieser Entwicklung gab es aber immer Bestrebungen, die beiden Betrachtungsweisen zusammenzuführen, eben durch die "psychosomatisch" orientierten Mediziner. Weil psychosomatisch zunächst einmal so klingt, als ob damit gesagt werden sollte, dass die Seele die körperlichen Erkrankungen "macht", wird der Begriff psychosomatisch oft um den Begriff somatopsychisch ergänzt, um deutlich zu machen, dass körperliches und seelisches sich gegenseitig bedingen.

Die Beschäftigung mit dieser Thematik fordert eine völlig andere Denkweise, als wir sie im Alltag und von der üblichen Forschung kennen. Dort gilt nach wie vor die Einbahn-Betrachtungsweise: wenn-->dann (es gibt nur Ursache und Wirkung):

Man beobachtet, was passiert, wenn auf eine gegebene Bedingung ein bestimmtes Ereignis einwirkt. Damit ist die Fragestellung meist beendet und man geht zur nächsten Frage über. Die Bedingungen für Experimente werden so weit reduziert, dass solche Aussagen möglich sind. In der "wissenschaftlichen" Psychologie führt dieses Vorgehen dazu, dass die erhaltenen Aussagen in der Komplexität des Lebens unbrauchbar werden. Sie sind höchstens von statistischem Wert, die Aktion (und vor allem Motivation) des Einzelnen bleibt unvorhersehbar.

Psychosomatik fordert eine Denkweise in "Kreisbewegungen": Eine Veränderung der körperlichen Bedingungen verändert seelisches Empfinden, aber dieser neue Seelenzustand ist wiederum Anlass dafür, dass die "Seele" die körperlichen Voraussetzungen in bestimmten Grenzen verändern kann. Womit das Spiel neu beginnt, von einer anderen Ebene aus. Die moderne Gehirnforschung konnte nachweisen, dass bestimmte Anforderungen an das Gehirn zum organischen Umbau des Gehirns führen (wobei eine starke Motivation, einer bestimmten Idee zu genügen, ja auch eine solche Anforderung ist). Das Gehirn ist dann ein "anderes" Gehirn als vorher (und vielleicht auch in der Lage, wiederum andere Gedanken entstehen zu lassen). Es sieht so aus, als ob Psychosomatiker die ewige Frage lösen wollten, ob Henne oder Ei zuerst da war. Das ist gar nicht so abwegig, wenn man sich klar macht, dass Henne und Ei eigentlich auch nur Extrempole ein und desselben Lebewesens sind. Nach psychosomatischer Denkart wäre die Frage, welches denn zuerst da war, völlig unsinnig, denn keines würde ohne das andere existieren.

Vor allem sollte man mit einem Vorurteil aufräumen: Psychosomatische Erkrankungen sind keine eingebildeten Erkrankungen, seelische Prozesse bewirken Veränderungen im Körper, die messbar und sichtbar sein können. Es entstehen wirkliche, und keine eingebildeten Schmerzen, und auch wirkliche körperliche Veränderungen.

Oft scheint Triumph auf Seiten der ausschliesslich organmedizinisch orientierten Ärzte zu entstehen, wenn wieder ein pathologisch entgleistes Hormon als Ursache einer Erkrankung vermutet wird. Und der umgekehrte Mechanismus wird nicht einmal in Erwägung gezogen: Dass die "Seele" selbst diese Veränderung erzeugen kann, so wie seelische Prozesse das Gehirn selbst in seiner Struktur verändern können. Das Gehirn "organisiert" sich selbst, je nachdem vor welche Aufgabe es sich gestellt sieht, oder welche Aufgabe es sich selbst stellt. Die Konzentration von Hormonen und anderen Botenstoffen hängt dann davon ab, von welcher Konzentration das Gehirn "denkt", dass sie nötig sei, um einer Aufgabe gerecht zu werden. Wie sonst könnte es möglich sein, dass Männer, deren Frauen schwanger sind, plötzlich weniger Testosteron und mehr Östrogene im Blut haben? Insofern kann über Veränderung des "Denkens" im weitesten Sinn und des Fühlens auch Einfluss auf körperliche Funktionen genommen werden. Natürlich nur im Rahmen der genetischen Möglichkeiten.

Aber was soll das ganze Gerede? Eigentlich soll damit gesagt werden, dass Psychotherapie mehr ist, als die Beschäftigung mit seelischer Erkrankung. Es gibt eine Reihe von Erkrankungen (eben die psychosomatischen), bei denen genau diese Frage nach Henne und Ei unsinnig ist, weil seelische und körperliche Bedingungen in einer Kreisbewegung bzw. einem Rückkopplungsprozess aufeinander bezogen sind. Es muss allerdings in der Regel ein organische/genetisches „Entgegenkommen“ des Körpers vorhanden sein, damit ein bestimmtes psychosomatisches Krankheitsbild entstehen kann.

Ärzte, die gleichzeitig Psychoanalytiker waren, sind die Pioniere in der Behandlung solcher Erkrankungen gewesen. Als Behandler, die mit "psychischen Mitteln" arbeiten, sind Psychosomatiker natürlich eher auf die Frage konzentriert, welche seelischen Bedingungen den Krankheitsverlauf aufrecht erhalten, denn sie wollen versuchen, den Kreislauf von dieser Seite her zu unterbrechen. Ohne zu vergessen, dass es da noch eine andere Seite gibt, dass auch therapeutische Mittel der "Organmedizin" ihren Platz haben. Es ist eben anzunehmen, dass viele bisher nur als "seelisch" empfundene Beschwerden auch einen bisher nicht nachweisbaren genetischen Anteil haben.



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