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Informationen zur Psychotherapie, Psychoanalyse und analytischen Psychotherapie

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Copyright Dr. med. Robert Röhrig, FA für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Psychoanalyse


Inhalt

Was ist analytische Psychotherapie?


Gemeint ist damit die Behandlung nach den Regeln der Psychoanalyse. Für Therapieformen, welche nach den Grundregeln der Psychoanalyse aufgebaut sind, verwendet man zunehmend den Oberbegriff „Psychodynamische Psychotherapie“.

Der Begriff "Analyse" erscheint zunächst selbst erklärungsbedürftig. Er lässt sich zum Teil verstehen dadurch, dass Freud als "Schöpfer" dieses Begriffs sich nicht nur als Therapeut, sondern in erster Linie als Forscher verstanden hat. Im üblichen Sprachgebrauch ist damit etwas gemeint, das mit kalter wissenschaftlicher Apparatetechnik verbunden wird. Man erwartet, irgendwie durchschaut und auseinandergenommen zu werden, "zerlegt" (und damit bloßgestellt) zu werden. Genau dies ist aber mit Psychoanalyse nicht gemeint. Es geht hier um das Verstehen von auch irgendwie "logischen", aber eben "psycho-logischen" Entwicklungen und Schwierigkeiten eines ganz individuellen Menschen, jenseits der sog. rationalen Logik. "Analyse" meint in diesem Zusammenhang die Art und Weise, wie in einem therapeutischen (geschützten und beschützenden) Rahmen krankmachende/unbewusste seelische Prozesse erkannt, angenommen und aufgelöst werden, damit etwas neues "Ganzes" entstehen kann, gestörte Entwicklung neu beginnen kann. Man achtet heute dabei sowohl auf die seelische „Struktur“ des Patienten als auch die vorliegenden zentralen Konflikte.

Da sich die Psychoanalyse mit der "Dynamik" von unbewussten Kräften und Konflikten beschäftigt, werden die "analytisch orientierten" Therapieformen auch als "psychodynamische Therapien" (in Abgrenzung zu den Verhaltenstherapien) bezeichnet. Im einzelnen gibt es dabei die Unterformen der (klassischen) Psychoanalyse, der analytischen Psychotherapie und der tiefenpsychologisch fundierten Therapie, jeweils in ihren Langzeit- und Kurzzeitanwendungen..

Bei der Entscheidung, eine analytische Therapie durchzuführen, spielt nicht nur die Art der vorliegenden Problematik eine wichtige Rolle, sondern die besondere Art und die Ziele dieser Behandlung, sowie die Eignung des Klienten für diesen speziellen Zugang. Der zentrale Weg des analytischen Settings ist die Arbeit an unbewusstem Konfliktmaterial, wobei sich das "Material" in einem regressiven Prozeß in der therapeutischen Beziehung entfalten soll, um so der Erkenntnis, Durcharbeitung und Bewältigung zugänglich zu werden. Dabei steht nicht nur die äußere Realität des Individuums sondern vor allem auch dessen sog. innere Realität im Mittelpunkt, die sich in Abhängigkeit von der seelischen Grundstruktur unterschiedlich entfaltet.

Dieser regressive Prozeß ist ein langdauernder Weg über mehrere Jahre, mit wöchentlich 2-3 Sitzungen (analytische Therapie) oder 4-5 Sitzungen (klassische Psychoanalyse). Heilung und Entwicklung der Persönlichkeit finden statt auf dem Hintergrund des Verstehens eines Zusammenhangs zwischen unbewältigten frühen Konflikten/Fixierungen, dem Erleben in der therapeutischen Situation und der aktuellen Lebenssituation.

Das führt direkt zum allgemein bekanntesten Merkmal des analytischen Settings, der Couch (ein therapeutisches Mittel, das ausschliesslich der Psychoanalyse vorbehalten ist). Hier liegt der Klient, um ohne Ablenkung durch den Sichtkontakt (Therapeut/in sitzt dabei am Kopfende der Couch) sich ganz auf seine eigene Befindlichkeit konzentrieren zu können. Die Grundregel für diese Situation ist die möglichst konsequente Anwendung der "freien Assoziation", d.h. möglichst alles zu sagen, was einem in diesem Moment einfällt, ob es wichtig erscheinen mag oder nicht.

Das ist für die gemeinsame Arbeit von Klient/in und Therapeut/in wichtig. Die Aufgabe des Analytikers/der Analytikerin ist dabei, die Inhalte der Mitteilungen (auch z.B. Träume) in einer besonderen Art der Konzentration, aufzunehmen und die Deutungen und Interventionen dadurch vorzubereiten. Die Person des Therapeuten/der Therapeutin ist dabei natürlich unverwechselbar mit der Art des therapeutischen Prozesses verbunden, allerdings unter einem hohen Maß an "Neutralität und Abstinenz" , was die Beeinflussung des Prozesses durch eigene evtl. unbewusste Probleme angeht. Abstinenz bedeutet nicht, dass der Therapeut dem Patienten gegenüber emotional unzugänglich ist, eher das Gegenteil, denn sie bezieht sich darauf, dass der Therapeut keine unbewussten eigenen Bedürfnisse in die Therapie einbringt. Um dies leisten zu können, muß der Analytiker/die Analytikerin selbst während der Ausbildung viele Jahre auf der Couch als Lehranalysand verbracht haben.

Eine Variation des analytischen Settings ist die tiefenpsychologisch fundierte Therapie, bei der im Prinzip ein ganz ähnlicher Weg eingeschlagen wird, aber mit einem anderen Ziel, nicht im Liegen, sondern im Sitzen mit Sichtkontakt. Das sog. "Dreieck der Einsicht" zwischen Vergangenheit, Gegenwart und therapeutischer Situation bleibt dabei mehr im aktuellen Bezug, ohne den Anspruch der Arbeit an der "Tiefe" eines analytischen Prozesses. Welches Setting gewählt wird, hängt eher vom Ziel der Behandlung ab, als von der Grunderkrankung. Die psychoanalytische Kurztherapie bzw. tiefenpsychologische Kurztherapie macht es möglich, u.U. auch in wenigen Sitzungen entscheidende Entwicklungen anzustossen.


Was ist analytische Psychotherapie