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Informationen zur Psychotherapie, Psychoanalyse und analytischen Psychotherapie

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Copyright Dr. med. Robert Röhrig, FA für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Psychoanalyse


Inhalt

Welches ist die angemessene Therapie für mich?


Das ist eine äusserst komplexe Frage, die an dieser Stelle nur sehr allgemein gehalten werden kann. Eine persönliche Beratung ist unverzichtbar. Im Prinzip ist jedes Erstgespräch und die sog. probatorischen Sitzungen (siehe auch bei "Beginn einer Therapie") dazu da, diese Frage zu beantworten. Der weiter unten beschriebene Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie ist von seiner Grundlage her ein weitgehend neutraler Berater (davon gibt es in Deutschland in freier Praxis über 3000), auch wenn er/sie für die Durchführung von Therapien in seiner eigenen Praxis eine bestimmte Therapierichtung vertritt.

Am Anfang steht die Frage: Ist Psychotherapie überhaupt für mich das Richtige? Psychotherapie ist eine hochwirksame Behandlungsweise, die wie jede wirksame Therapie auch Nebenwirkungen haben kann. Diese Nebenwirkungen beziehen sich auf evtl. für den Erfolg notwendige Veränderungen der eigenen Person oder des Umfeldes (z.B. der Gestaltung von Beziehungen). Wer mit Hilfe von Psychotherapie gesund werden will, und gleichzeitig alles so lassen will wie es ist, der sollte es sich besser überlegen. Ausserdem ist Psychotherapie ja nur eine von mehreren Methoden, (auch seelisch bedingte Leiden) zu behandeln.

Zunächst gilt es, die grundsätzliche Frage zu klären, ob das vorliegende Problem Teil einer Erkrankung ist. (Definition der Weltgesundheitsorganisation von Gesundheit: Zustand des vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens, nicht allein das Fehlen von Krankheit und Gebrechen). Nur dann ist es möglich, Hilfe im System der Krankenkassen zu erhalten, bei einem Therapeuten/Therapeutin, der seine Qualifikation nach strengen Kriterien nachgewiesen hat, und deshalb eine Zulassung zur Krankenbehandlung erhalten hat (eine Approbation als Arzt oder psychologischer Therapeut), und zusätzlich eine Zulassung als Kassentherapeut über die kassenärztlichen Vereinigungen. Die Frage, in wie weit die Voraussetzungen für eine Kostenübernahme erfüllt sind, wird beim Erstgespräch und den probatorischen Sitzungen geklärt. Aber es müssen nicht nur Ärzte und Therapeuten ihre Qualifikation nachweisen, sondern auch die Therapierichtungen selbst. Das haben bisher nur die analytisch orientierten Therapien und die Verhaltenstherapie gekonnt. Innerhalb unseres Gesundheitssystems ist es also nur möglich, entweder analytisch orientierte Therapie (incl. tiefenpsychologisch fundierte Therapie) oder Verhaltenstherapie zu machen. Alles andere muss aus der eigenen Tasche bezahlt werden. Techniken, die für sich allein keine Zulassung bekommen haben, weil sie nicht bei ausreichend vielen Krankheitsbildern wirksam sind, können trotzdem von kassenzugelassenen Therapeuten als Zusatzverfahren für besondere Situationen angewendet werden (z.B. EMDR).

Der "Rest" der Therapieformen und Therapeuten ist sehr vielschichtig. Es sind darin z.B. approbierte aber nicht kassenzugelassene Ärzte und Therapeuten enthalten, die sich unser Kassensystem aus verschiedenen Gründen nicht zumuten wollen. Dann die qualifizierten Therapeuten von Therapierichtungen, die (noch) keine Kassenzulassung haben oder wollen (z.B. systemische Therapie, Familientherapie interpersonelle Therapie oder Gestalttherapie). Aber auch alle Arten von Scharlatanen, die keine qualifizierte Ausbildung haben. Einen gewissen Schutz gegen die Scharlatane gibt es durch die seit kurzem gesetzlich geschützte Berufsbezeichnung "Psychotherapeut". Wer sich nicht genau so, sondern mit einem nur ähnlich klingenden Begriff bezeichnet, ist zumindest "verdächtig", nicht ausreichend qualifiziert zu sein (der Begriff "Psycho" in irgend einer Kombination kann dabei immer noch auftauchen. Auch der Begriff "Psychotherapie" selbst ist nur als Zusatzbezeichnung geschützt, wenn ihn ein Arzt als Ergänzung seiner sonstigen Qualifikation führt).

Also: Jetzt bleibt nur noch die Frage (falls es um Behandlung, und nicht nur um Beratung geht), ob eine analytisch orientierte Therapie oder eine Verhaltenstherapie "angemessen" ist.

Tendenziell lässt sich festhalten: Je umschriebener eine Störung oder deren Umstände sind (z.B. Angst vor einer ganz speziellen Situation, oder eine Depression, die an eine besondere Situation geknüpft ist), um so eher würde würde man an eine Verhaltenstherapie denken. Andererseits, je mehr eine Störung alle Lebensumstände begleitet, als Teil des ganzen Menschen erscheint, um so eher würde man an eine analytische Therapie denken.

Aber: Es geht ja niemals um eine Störung, die wie ein defektes Teil aus einer Maschine repariert werden könnte. Es sind Menschen, die in ihrer Ganzheit Hilfe suchen. Das heisst: Es ist genauso wichtig, welcher Mensch nun eine bestimmte Störung hat. Die Frage lautet dann: Wer ist eher für die eine, und wer ist eher für die andere Therapierichtung geeignet? Auch hier lässt sich tendenziell festhalten: Je mehr ein Mensch "rational"/cognitiv und funktional denkt, je schneller er "Ergebnisse" erwartet, um so eher würde man an eine Verhaltenstherapie denken. Je mehr er an den Zusammenhängen seines tieferen Seelenlebens interessiert ist und Zugang zu Gefühlen hat, je mehr er einen Reifeprozess zugunsten einer raschen Symptombeseitigung abwarten will, je mehr er "symbolisch" denken kann, um so eher würde man eine analytische Therapie erwägen.

Aber das ist noch nicht alles. Es gibt Untersuchungen, die nahelegen, dass die Art und Weise, wie Patient und Therapeut als Menschen zusammenpassen, eine grössere Rolle für den Erfolg einer Therapie spielt, als eine bestimmte Therapierichtung. Die Person des Therapeuten kann für den Erfolg einer Therapie wichtiger sein als die Therapierichtung. Es gibt sowieso keinen Therapeuten, der die ganz "reine" Lehre seiner Therapierichtung durchführt. Bezüglich unterschiedlicher "Erfolge" der Therapierichtungen sieht es z.Zt. so aus, als ob die Verhaltenstherapie zunächst schneller eine Veränderung erreicht, die allerdings nach Beendigung der Therapie eher wieder verloren geht. Die analytische Therapie braucht etwas länger, allerdings geht die Entwicklung auch nach Beendigung der Therapie weiter. Der Erfolg ist oft nach Jahren höher als unmittelbar mit Beendigung.

Bei der Frage, welches denn die "angemessene" Therapie ist, muss also die Erkrankung selbst, das Wesen des betreffenden Patienten, die zur Verfügung stehende Therapierichtung und die Person des Therapeuten unter einen Hut gebracht werden. Das gelingt nur im Rahmen der Vorgespräche in den Praxen selbst. Eine erfolgreiche Therapie ist nur bei einem sog. guten "Arbeitsbündnis" möglich. Und wer möchte schon ein solches Bündnis eingehen, wenn nicht alle Voraussetzungen stimmen?

Auch die Frage der sog. „Lösungsorientierung“ sollte nicht unter den Tisch fallen. Psychotherapie sollte ein zutiefst "dialektischer" Prozess sein, d.h. sich im Streben nach Entwicklung zwischen den anscheinenden Gegensätzen bewegen. Handeln oder reflektieren bilden eben keinen Gegensatz, sondern sind Pole des Entwicklungsprozesses. So unsinnig wie ein "Wühlen in der Vergangenheit" ist, so unsinnig ist es, eine "Lösung" anzubieten, wo noch nicht einmal das Problem verstanden wurde. So wie eine "Deutung" aufgezwungen sein kann, kann auch eine "Lösung" aufgezwungen sein. In beiden Fällen wird der Patient in seinem Anliegen vergewaltigt.

Die analytische Therapie als Therapierichtung bietet auf jeden Fall wertvolle Voraussetzungen, damit alles zu einem Erfolg wird: Die Schwierigkeit, Person und Ausbildungsstand des Therapeuten zu beurteilen, wird dadurch erleichtert, dass alle (ärztlichen und psychologischen) Therapeuten eine sehr lange therapeutische Ausbildung zusätzlich zu ihrem Grundberuf durchlaufen müssen. Analytiker müssen (und mussten schon immer) während ihrer gesamten Ausbildung selbst auf der "Couch" liegen, und sich in vielen hundert Stunden selbst kennenlernen. Sie wurden Spezialisten dafür, was Erfahrungen in Beziehungen aus einem Menschen gemacht haben, und wie diese Erfahrungen wieder in aktuelle Beziehungen hineingeraten. Sie arbeiten daran, innerhalb der "therapeutischen Beziehung" einen heilenden Reifungs- und Entwicklungsprozess anzustossen. Und sie können dabei auf eine über 100jährige Entwicklung bzw. "Reifung" dieser Therapierichtung zurückgreifen, die alle neuen Forschungsergebnisse einbezieht.




Welche Therapie ist die richtige