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Informationen zur Psychotherapie, Psychoanalyse und analytischen Psychotherapie

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Copyright Dr. med. Robert Röhrig, FA für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Psychoanalyse


Inhalt

Wie beginnt man eine Therapie?


Wer Psychotherapie sucht oder darüber beraten werden möchte, ob eine Therapie hilfreich sein könnte, der kann sich seit 1999 mit seiner Versichertenkarte direkt an einen ärztlichen oder psychologischen Psychotherapeuten wenden, falls dieser (oder die Therapeutin) eine Kassenzulassung hat. Eine Überweisung ist nicht erforderlich (außer man hat einen Hausarztvertrag abgeschlossen). Allerdings ist es sinnvoll, wenn dieser Schritt z.B. auch mit dem Hausarzt/der Hausärztin besprochen ist, denn dort sammeln sich ja alle Befunde, und in der Regel werden die für das spätere Gutachterverfahren nötigen medizinischen Befunde von der Hausarztpraxis zur Verfügung gestellt.

Die bereits erwähnte sog. „Sprechstunde“, die alle kassenzugelassenen Therapeuten anbieten müssen, ist die erste Hürde für einen Therapiebeginn. Bei einer ausgelasteten Praxis sollen die Therapeuten 2 Stunden ihrer Arbeitszeit pro Woche für Patienten zur Verfügung stellen, die schnell eine Beratung brauchen. Dies bedeutet aber nicht, dass man dort 2 Stunden in der Woche zur Therapie gehen kann, weil natürlich auch andere Patienten diese Sprechstunde nutzen wollen.

Wenn Sie sich schon relativ sicher fühlen, mit welchem Verfahren Sie arbeiten möchten, können Sie entweder einen tiefenpsychologisch/analytischen Therapeuten oder einen Verhaltenstherapeuten aufsuchen. Wenn Sie sich unschlüssig sind, ist möglicherweise ein Facharzt für Psychotherapeutische Medizin und Psychotherapie eine neutrale Anlaufstelle.

Das Aufsuchen einer solchen Sprechstunde, die bis zu 3 Stunden Umfang haben kann (aufgeteilt auf drei mal eine Stunde oder sechs mal eine halbe Stunde) ist eine Art Eintrittsberechtigung ohne Garantie, wann die Veranstaltung statt findet. Am Ende dieser Sprechstunde (also auch schon evtl. nach einer Stunde) bekommen Sie von diesem Therapeuten ein ausgefülltes Formular, in welchem je nach Sachlage die Notwendigkeit zur Therapie und eine Diagnose bescheinigt wird. Außerdem gibt der Therapeut/die Therapeutin an, ob die vorgeschlagene Therapie in seiner/ihrer Praxis durchgeführt werden kann. Ist dies der Fall, wird er Ihnen den weiteren Ablauf erklären. Für Patienten, denen es schwer gelingt, direkt bei einem Therapeuten anzukommen, ist für Sprechstunden und Akutbehandlungen die Terminservicestelle der kassenärztlichen Vereinigung (TSS) eingerichtet, die freie Termine sammelt, welche von Therapeuten bereitgestellt wurden.

Egal, ob Sie nun in dieser Praxis beginnen können, oder sich auf Wanderschaft begeben, der nächste Schritt besteht in einigen sog. probatorischen Sitzugen, was so viel bedeutet, wie „Einarbeitungs- und Vertiefungstermine“. Diese Stunden sind dazu da, die anfänglich gestellte Diagnose zu konkretisieren, und vor allem festzstellen, ob Klient und Therapeut zusammen arbeiten können, und die richtige „Indikation“ festzulegen. Das heisst, mit welchem Umfang und mit welchem „Setting“ (Rahmenbedingungen) man zusammen arbeiten sollte.


Also:

1. Der erste Schritt ist aus 2 Positionen heraus möglich: Entweder Sie sind akut in seelischer Not und suchen die Sprechstunde eines Therapeuten auf, oder Sie haben bereits eine Diagnose und Empfehlung eines Therapeuten, mit der Sie direkt probatorische Sitzungen vereinbaren können.

2. Diese probatorischen Sitzungen dienen dazu festzustellen, ob Sie mit der vorgesehenen Therapieform voraussichtlich erfolgreich sein werden. Und sie dienen dazu festzustellen, ob Klient/in und Therapeut/in vertrauensvoll zusammen arbeiten können. Sollte dies nicht der Fall sein, so haben Klient und Therapeut die Möglichkeit, an dieser Stelle zurückzutreten. Für den Klienten gibt es einen neuen Versuch bei einem anderen Therapeuten.

Aber wir gehen davon aus, dass alles passt.

3. Die verschiedenen Arten von Umfang und Setting sind folgende: Eine Akuttherapie als Krisenintervention (12 Stunden), eine Kurzzeittherapie (24 Stunden) oder eine Langzeittherapie  oder Gruppentherapie zu beantragen. Die Stundenkontingente sind von der Therapieform abhängig. Die Akuttherapie muss zeitnah beginnen können.

Ist eine Langzeittherapie geplant, so ist ein Gutachterverfahren notwendig. Der Therapeut muss einen anonymisierten Bericht über das Krankheitsbild und die vorgesehene Behandlung erstellen. Diesem Bericht müssen die notwendigen medizinischen Befunde beiliegen, die eben in der Regel der Hausarzt zur Verfügung stellt. Der Bericht geht verschlossen und anonymisiert an einen externen, nicht der Kasse zugehörigen Gutachter, der entscheidet, ob die geplante Behandlung eine Kassenleistung ist und die Kosten übernommen werden sollten.

Der maximal mögliche Umfang des jeweiligen Settungs in den Richtlinien je nach Verfahren unterschiedlich:


Akuttherapie  ist bei der Kasse nur anzeigepflichtig  und auf zwölf Stunden begrenzt, die auch auf halbe Stunden verteilt werden können.

Kurztherapie besteht aus bis zu 24 Stunden, die ebenfalls auf halbe Stunden aufgeteilt werden können, und in 2 Abschnitten zu je zwölf Stunden bei der Kasse beantragt werde müssen.

Gruppentherapie kann ebenfalls als Kurzzeit- oder Langzeittherapie durchgeführt werden.

In der Behandlung von Kindern und Jugendlichen gibt es ein Sonderkontingent für die begleitende Therapie der Bezugspersonen.

Langzeittherapien benötigen wie schon vorher ein sog. Gutachterverfahren. Das zur Verfügung stehende Stundenkontingent ist je nach Verfahren unterschiedlich:


1. Analytische Psychotherapie bei Erwachsenen

- Bewilligungsschritte: bei Einzeltherapie bis 160 Stunden, bei Gruppentherapie bis 80 Doppelstunden

- Höchstgrenze: bei Einzeltherapie 300 Stunden, bei Gruppentherapie 150 Doppelstunden


2. Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie bei Erwachsenen

- Bewilligungsschritte: bei Einzeltherapie bis 60 Stunden, bei Gruppentherapie bis 60 Doppelstunden

- Höchstgrenze: bei Einzeltherapie 100 Stunden, bei Gruppentherapie 80 Doppelstunden.


3. Verhaltenstherapie bei Erwachsenen

- Bewilligungsschritte: bis 60 Stunden Einzeltherapie, bis 60 Doppelstunden Gruppentherapie

- Höchstgrenze: 80 Stunden Einzeltherapie, bis 80 Dopppelstunden Gruppentherapie.


 4. Psychotherapie von Kindern bei analytischer und tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie

-Bewilligungsschritte: bei Einzeltherapie bis 70 Stunden, bei Gruppentherapie bis 60 Doppelstunden

- Höchstgrenzen: bei Einzeltherapie 150 Stunden, bei Gruppentherapie 90 Doppelstunden


5. Verhaltenstherapie von Kindern

- Bewilligungsschritte: bis 60 Stunden, bei Gruppentherapie 60 Doppelstunden

- Höchstgrenzen: 80 Stunden, bei Gruppentherapie 80 Doppelstunden


6. Psychotherapie von Jugendlichen bei analytischer und tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie

- Bewilligungsschritte: bei Einzeltherapie bis 90 Stunden, bei Gruppentherapie bis 60 Doppelstunden

- Höchstgrenzen: bei Einzeltherapie 180 Stunden, bei Gruppentherapie 90 Doppelstunden


7. Verhaltenstherapie bei Jugendlichen

- Bewilligungsschritte: bis 60 Stunden, Gruppentherapie 60 Doppelstunden

- Höchstgrenzen: 80 Stunden, Gruppentherapie 80 Doppelstunden


Das Ganze ist ziemlich komplex. Sie müssen auf jeden Fall von Anfang mit Ihrem persönlichen Therapeuten die Gestaltung des Therapieablaufs planen.


Neben diesem üblichen Vorgehen gibt es die Möglichkeit, dass Therapeuten und Patienten gesonderte Verträge mit den Krankenkassen abschliessen, sog. „Selektiv-Verträge“, die das bisherige Richtlinienverfahren aussetzen (z.B. der PNP-Vertrag für Neurologen, Psychiater und Psychotherapeuten). Über solche Verträge kann man Psychotherapie bekommen, wenn sowohl der Therapeut als auch der Patient sich dafür bei der Krankenkasse vertraglich „eingeschrieben“ haben. In solchen Veträgen werden ausserhalb der kassenärztlichen Vereinigung Honorarvereinbarungen und Rahmenbedingungen ausgehandelt. Eine Entwicklung, die die bisherige Landschaft zerstückelt und noch unübersichtlicher macht, da ein Patient, der sich für einen solchen Vertrag eingeschrieben hat, nur noch bei einem entsprechend eingeschriebenen Therapeuten behandelt werden kann.

Das Vorgehen im Einzelnen ist im Moment überwiegend durch machtpolitische Interessen im Fluss und sollte genau überlegt sein. Wer sich nicht für einen Selektivvertrag einschreibt, für den gelten die Richtlinien.

Noch ein Wort zur allerersten Terminvereinbarung: Wenn der vereinbarte Termin nicht eingehalten wird, dann wartet der Therapeut eine ganze Stunde auf seinen Klienten, ohne zu wissen was los ist und unentgeltlich (denn zur ersten Stunde ist meist noch keine Vereinbarung über ein Bereitstellunghonorar getroffen). Wer also ein gewisses Mass an Anständigkeit besitzt, wird den Termin absagen, wenn ihn die Vereinbarung reut oder das Ganze doch unheimlich geworden ist.


Im späteren Therapieverlauf müssen vereinbarte, aber nicht wahrgenommene Sitzungen durch ein sog. Bereitstellungshonorar ausgeglichen werden. In einer individuellen Vereinbarung wird festgelegt, wie lange vor dem Termin eine Absage OK ist, und ab welchem Zeitraum und in welcher Höhe der Therapeut Anspruch auf einen finanziellen Ausgleich seines entgangenen Honorars hat. Solche Stunden bleiben natürlich im Gesamtkontingent erhalten und können später statt finden. Eine Abrechnung zu Lasten der Gemeinschaft ist nicht möglich.



Therapiebeginn